Franz Seraph Höllriegel

Königlich-bayerischer Steinmetzmeister und Bauunternehmer · 24. Oktober 1794 in Donzdorf – 9. Mai 1858 in München

Franz Seraph Höllriegel, in der Münchener Steinmetzzunft „der schwarze Steinmetz“ genannt, war einer der bedeutendsten Bauunternehmer im München König Ludwigs I. Mit seinem Freund Anton Ripfel – dem „weißen Steinmetz“ – teilte er die Aufträge der bayerischen Klassizismus-Baustellen: Höllriegel arbeitete bevorzugt in Granit, Basalt und Nagelfluh, Ripfel in Sandstein und Marmor.

An den zentralen Bauten der Münchener Residenzstadt wirkte er als Steinmetzmeister und Bauunternehmer maßgeblich mit; auf ihn geht überdies die Gründung des heute zur Gemeinde Pullach gehörenden Ortsteils Höllriegelskreuth zurück, der nach seinem Familiennamen benannt ist.

Über seine Tochter Barbara Anna Maria Höllriegel aus zweiter Ehe reichen die Wurzeln der Münchener Familie Eisenberger bis zu seinem Werk an der bayerischen Klassik zurück.

Franz Höllriegel, zeitgenössisches Porträt

Franz Seraph Höllriegel
(1794–1858)

Herkunft und Ausbildung

Franz Höllriegel wurde am 24. Oktober 1794 als zweites von fünf Kindern des Maurermeisters Joseph Höllriegel und seiner Frau Katharina, geborene Klaus (1763–1842), im württembergischen Donzdorf bei Geislingen an der Steige geboren. Die Familie stammte ursprünglich aus Südtirol; Großvater Johann Höllriegel war im Zuge der von Graf Maximilian Emanuel von Rechberg seit 1777 angeworbenen Tiroler Baufachleute nach Donzdorf gekommen, wo Rechberg die Pfarrkirche St. Martinus umbauen ließ.

Vier Jahre lang erlernte der junge Franz in Stuttgart bei dem Steinmetzmeister Georg Arndt das Steinhauen, Zeichnen, die Rechenkunst und die angewandte Geometrie. Sein Förderer Graf Rechberg, ab 1817 bayerischer Innenminister, empfahl ihn an den königlichen Hofbaumeister Leo von Klenze, der ihn um 1816 als Steinmetzpolier zur Baustelle der Glyptothek nach München holte.

Zeitgenössisches Ölgemälde Franz Höllriegels im vergoldeten Empire-Rahmen
Franz Höllriegel als junger Steinmetzmeister. Zeitgenössisches Ölgemälde, München um 1825/30.

Steinmetzmeister in München

Am 11. September 1820 stellte Höllriegel den Antrag auf eine eigene Steinmetzkonzession; Klenze legte ein Zeugnis bei, das elterliche Vermögen betrug 1.000 fl., der Antragsteller war bereits vom Wehrdienst befreit. Am 8. Februar 1822 erging der Bewilligungsbeschluss „Im Namen seiner Majestät“; die Meisterprobe legte Höllriegel beim Münchener Steinmetzmeister Joseph Leis ab. Am 30. August 1822 wurde er Bürger und Steinmetzmeister in München – damals einer von nur zwei Steinmetzmeistern der Stadt – und führte zu diesem Zeitpunkt bereits ein eigenes Vermögen von 1.700 fl.

In den folgenden Jahren errichtete Höllriegel sein Stammanwesen in der Müllerstraße 46 (heute Müllerstraße 39) und erwarb dort sowie in der Frühlingsstraße, der Ludwigstraße 27 und der Gewürzmühlstraße 3 weitere Liegenschaften. Seine Hauptwerkstatt – die „Steinmetzwaarenfabrik“ im Rückgebäude der Müllerstraße 47 – betrieb er bis 1857; eine zweite Werkstatt mit Steinsäge, Schleif- und Poliermühle stand in der Gewürzmühlstraße und wurde durch die Wasserkraft des Triftkanals angetrieben.

Eigene Steinbrüche unterhielt Höllriegel in Deisenhofen, Rottenbuch (Schongau) und Neudorf bei Kempten; zwei weitere Brüche – einen Basaltbruch im Donautal und 1835 einen Nagelfluhbruch am linken Isarufer – erhielt er als persönliches Geschenk König Ludwigs I.

Mitwirkung an den Bauten des bayerischen Klassizismus

An den zentralen Bauten des Münchener Klassizismus, der bayerischen Romantik und der Eisenbahnzeit wirkte Höllriegel als Bauunternehmer und Lieferant der Steinmetzarbeiten mit. Belegt sind insbesondere:

  • Glyptothek am Königsplatz (Klenze, 1816–1830)
  • Ludwigskirche an der Ludwigstraße (Gärtner, 1829–1844)
  • Alte Pinakothek
  • Hofgartenarkaden
  • Königsplatz – Bauten und Platzgestaltung
  • Siegestor
  • Walhalla bei Donaustauf
  • Großhesseloher Eisenbahnbrücke – Pfeilersockel (zusammen mit dem Steinmetz Hauser) sowie die Stützmauer aus seinem Nagelfluhbruch
  • Maximiliansbrücke über die Isar
  • Taubstummenheim, Karlstraße 45
  • 1830 zudem die neue Hirschbrücke in München

Auf seinen Großbaustellen beschäftigte Höllriegel zeitweise bis zu 260 Arbeiter, überwiegend Italiener.

Glyptothek am Münchener Königsplatz

Glyptothek am Königsplatz
Leo von Klenze, 1816–1830

Höllriegels Gereuth und das Isaranwesen

Am 12. Februar 1841 erwarb Höllriegel für 10.400 fl. den Sedlmayer-Hof in Pullach (Hausnummer 6½) mit 178,37 Tagwerk Grund – einer der besseren Nagelfluh-Steinbrüche der Isar lag in unmittelbarer Nähe und war ihm zuvor schon zugefallen. Bis 1858 vergrößerte er das Anwesen schrittweise auf rund 330 Tagwerk (etwa 113 Hektar) und ließ in derselben Zeit den Isarweg von München nach Pullach ausbauen. Sein wichtigster Auftraggeber, König Ludwig I., war gerne Gast auf dem Isaranwesen; ein an einen vier Meter hohen Nagelfluhblock gelehnter Erker-Werkraum galt als Lieblingsplatz des Königs.

Postkarte Höllriegelskreuth mit Laufähre über die Isar, um 1900
„Gruss aus Höllriegelskreuth!“ – kolorierte Postkarte mit der Laufähre über die Isar, um 1900. Verlag „Reise-Album“, München, Nr. 71.

Am 19. April 1851 beantragte Höllriegel die Umbenennung seines Gutes. Mit allerhöchster Entschließung König Maximilians II. vom 8. Juni 1851 in Nymphenburg wurde der Antrag genehmigt; das Intelligenzblatt der Königlichen Regierung von Oberbayern Nr. 28 vom 27. Juni 1851 bekannte den neuen Namen „Höllriegels-Gereuth“ – eine Rodung des Höllriegel –, aus dem das heutige Höllriegelskreuth wurde.

Zwischen 1848 und 1858 entstand auf dem Gut eine Reihe von Bauten:

Wenige Wochen vor seinem Tod, am 13. Februar 1858, stellte Höllriegel noch einen Antrag für eine Säg- und Zementmühle in Höllriegelskreuth; sie wurde am 2. März 1858 genehmigt, aber nicht mehr ausgeführt.

Familie

Am 3. Februar 1823 heiratete Höllriegel in St. Peter zu München Josepha Keller (getauft am 23. Februar 1802 in Marktoffingen im Ries). Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor; zwei starben früh. Josepha selbst starb bereits am 7. Mai 1831, mit nur 29 Jahren, an „Lungenvereiterung“ – einer im feuchten Isartalklima zugezogenen Lungenkrankheit. Sie hinterließ drei Kinder: Kreszenz Josepha (* 25.4.1825), Ludwig Nikolaus Johann Joseph (* 23.8.1828) und Franz Xaver August (* 1.3.1830).

Mit Erlaubnis vom 14. Februar 1832 heiratete er am 20. Februar 1832 in St. Peter die jüngere Schwester der Verstorbenen, Barbara Maria Keller (getauft am 27. Februar 1804 in Marktoffingen, † 29. Juni 1876 in München). Aus der zweiten Ehe gingen sieben Kinder hervor; fünf starben früh. Es überlebten Albert Alfons Alois (* 6.10.1839, † 11.3.1877) und Barbara Anna Maria (* 18.10.1842, † 1909).

Die überlebenden Kinder gingen ganz unterschiedliche Wege:

Bürgerliches Wappen

1838 ließ sich Franz Höllriegel ein bürgerliches Wappen anfertigen, das die Bestandteile seines beruflichen Selbstverständnisses und seines Glaubens vereint: ein gespaltenes Schild – rechts mit den schräggestellten Spitzen, die das Werk des Steinmetzes andeuten, links der gekrönte Löwe Juda als Königssymbol –, darüber die Stechhelm-Zier mit einem goldenen Kreuz vor einer Lyra. Das Spruchband trägt die Inschrift „A. D. 1838 Höllriegel“.

Bürgerliches Wappen der Familie Höllriegel von 1838

Bürgerliches Wappen
Höllriegel, 1838

Tod und Grab

Franz Höllriegel starb am 9. Mai 1858 morgens um 5 Uhr in München „nach langem, schmerzlichem Leiden, versehen mit allen heiligen Sterbe-Sakramenten“. Die Todesanzeige in den Münchener Anzeigen führt ihn als „Privatier und Gutsbesitzer und vormaliger Steinmetzmeister“ – die Steinmetztätigkeit hatte er also bereits zu Lebzeiten an die Söhne übergeben.

Die Gottesdienste fanden am Tag der Beisetzung (11. Mai 1858) in St. Peter sowie tags darauf in St. Elisabeth statt. Höllriegel wurde im Familiengrab auf dem Alten Südlichen Friedhof in München beigesetzt (Sektion 6, Reihe 1, Grab 5253). Die Grabinschrift nennt ihn präzise: „Franz Sr. Höllriegel, Privatier vormals Steinmetzmeister, geb. den 24ten Oktober 1794, gest. den 9ten Mai 1858“.

Seine Witwe Barbara überlebte ihn 18 Jahre, baute das Gut weiter aus und ließ 1876, in ihrem letzten Lebensjahr, am Isarufer ein Marketenderhäuschen für die Flößer und Münchener Ausflügler errichten. Bis zum 9. Mai 1949 wurde alljährlich eine Todestagsprozession aus Bad Pullach zur Höllriegel-Kapelle gehalten; die Kapelle selbst wurde 1982 von der Gemeinde Pullach in kommunales Eigentum übernommen und für 90.000 DM restauriert.

Grabstein Franz Höllriegels auf dem Alten Südlichen Friedhof München

Familiengrab Höllriegel
Alter Südlicher Friedhof, München

Verbindung zur Familie Eisenberger

Aus der zweiten Ehe stammt die Tochter Barbara Anna Maria Höllriegel (1842–1909), die 1858 als Sechzehnjährige aus dem Vermögen ihres Vaters das Münchener Anwesen Müllerstraße 46 a erbte – jenes 1844 von Max Kuppelmayr in romanisierendem Stil errichtete Haus, in das Höllriegel 1845 zwischen erstem und zweitem Stock ein steinernes Madonnenrelief einsetzen ließ. Sie heiratete Ferdinand Scotzniovsky; ihre beiden Töchter Barbara und Ella Scotzniovsky heirateten in die Familie Eisenberger ein. Über diese weibliche Linie reichen die Wurzeln der Eisenberger zu Franz Höllriegel und zu seinem Werk an der Münchener Klassik zurück.

Eine ausführliche Darstellung des Wirkens Franz Höllriegels findet sich auf der eigens diesem Steinmetzmeister gewidmeten Webseite franzhoellriegel.de.

Quellen

  • Lea Heinz: Auf den Spuren von Franz Höllriegel, in: Pullacher Schriftenreihe.
  • Karl Schmitt: Höllriegelskreuth, Gemeinde Pullach.
  • Fritz Lutz: Anton Ripfel und Franz Höllriegel – Zwei Tiroler Steinmetze im Dienst König Ludwigs I., in: Jahrbuch des Vereins für christliche Kunst in München, Bd. XV (1985), S. 184–188.
  • Intelligenzblatt der Königlichen Regierung von Oberbayern, Nr. 28 vom 27. Juni 1851, S. 859 f.
  • Münchener Anzeigen, Todesanzeige Franz Höllriegel, Mai 1858.
  • Münchener Tagblatt vom 21. Juni 1845 (Madonnenrelief Müllerstraße).
  • Neue Augsburger Zeitung 1830 (Hirschbrücke, Steinmetzarbeiten).
  • Alphabetisches Register der Hausbesitzer in München 1850.